Wenn ein Buch die mentale Einheit Deutschlands befördern kann, so ist es dieses. - Warum? Weil es "den in der DDR aufgewachsenen Deutschen unvergleichliche Erlebnisräume sichern und bewahren hilft und allen anderen Lesern Einblicke" vermittelt, "die lebendiges Verstehen ermöglichen." Der Autor bedient sich dabei der Geschichte, die sich in sein eignes Leben schrieb, in der er gleichsam selbst zum Brennglas wird, worin sich die Strahlen dreier Generationen sowie das Schicksal einer deutschen Republik brechen, das wir alle kennen, von innen oder außen. Doch haben wir auch Zeit und Kraft dazu gehabt, lange und genau genug anzuschauen, was wir da zu kennen glauben? Hätte es dazu nicht eines akribischen Erlebnischronisten bedurft?
Detlef Dähn ist diesen Weg für uns gegangen und tritt hier mit einem Werk an's Licht, mit dem er uns von einem zuweilen bedrückenden Da-war-mal-was-Verhältnis erlöst. Seine Erzählkunst ist nichts weniger als meisterhaft, "heitere und ernsthafte Bekenntnisse von Moral und Unmoral", die von satirischer Kraft durchdrungen sind. Wir sehen, wie man im Osten Deutschlands Mensch geworden und gewesen ist, wie man auch dort es werden konnte, wieviel menschliche Substanz und Kraft die Auseinandersetzung mit einer oft grotesken Staatskultur hervorgebracht hat, wieviel Fantasie der Freiheit, wieviel Träume, wieviel Lebendigkeit und Eigenwilligkeit gerade in der Unfreiheit geboren wurden. Aber wir sehen auch das Lächerliche und Kleinkarierte an uns vorüberziehen, das Spießige und Dumme.
Dähn schreibt gegen das Vergessen an, und zwar mal nicht nur eben so, sondern - trotz Satire - oft minutiös genau. Er weiß um den Wert von Millionen Biographien, auf den die Gegenwartsgeschichte nicht verzichten kann und er weiß auch, das jedes Leben, ja jede Lebensphase ein Kunstwerk ist, das sich - nimmt man es ernst - nicht in einem Historiettchen unterbringen läßt. Deshalb haben wir es vorerst mit Band 1 zu tun, der sich auf 340 Seiten den Krümel- und den Flegeljahren widmet. Weitere Bände werden folgen und den Leser endlich mit einem Gesamtwerk beschenken, das in dieser Form längst fällig war und in keinem deutschen Bücherschrank mehr fehlen sollte.
Kein Zweifel, wir haben einen neuen Stern am Literatenhimmel und endlich eine große literarische Form in unseren Händen, der wir eine identitätsstiftende Wirkung wünschen dürfen.
Vergriffen!
Detlef Dähn
Supertramp (Band 1)
Heitere und ernsthafte
Bekenntnisse von Moral und
Unmoral
ISBN 3-937378-00-6
27.80 €
Der Autor
Detlef Dähn, Jahrgang 1960, waschechter Berliner, verlebte seine Kindheit und Jugend im Prenzlauer Berg. Nach der Schulzeit Ausbildung zum Außenhandelskaufmann, anschließend bei den Nachrichtentruppen der Nationalen Volksarmee (NVA), ab 1982 Studium der Außenwirtschaft.
1986 Heirat in Dresden, Vater von zwei Kindern. 1989 Trennung und Rückkehr nach Berlin. Erste Ideen und konzeptionelle Vorarbeiten zum "Supertramp".
1991-1993 Führungskraft beim Aufbau des Neckermann-
Kaufhauses in der Karl-Marx-Allee. Ab 1993 selbständiger Marktstandhändler im Prenzlauer Berg ("Detlefs Tante-
Emma-Laden"). Ab 1994 verstärkte Wiederaufnahme der Autorentätigkeit und Verdichtung des Werkes "Supertramp".
2002 erneute Heirat und Selbständigkeit in Berlin-
Köpenick (Eröffnung des Ladengeschäftes "Weltbildarchiv").
2004 Vollendung des ersten Bandes "Supertramp" und Debütant als Autor.
"Großen literarischen Vorbildern folgend, entwickelte" Dähn "einen eigenwilligen Erzählstil... zwischen... persönlich nachempfundenen »Abenteuern des Adam Probst« des DDR-Autors Herbert Jobst und dem satirischen Biß eines Rudi Strahl" bis hin zu "Arabesken, wie sie etwa die Beschreibung einer Araukarie" in Hesses »Steppenwolf« vorgibt. Und so entstand eine Welt "aus Lebensphilosophie, Vagabundendasein, Freiheit, Abenteuer, Spaß, ständiger Suche nach Identität, aus satirischer Weltsicht und einer gehörigen Portion Unmoral, also eine Komposition, die dem Leser sicher viel Einfühlungsvermögen in die Eigenwilligkeit der Hauptfigur abverlangt..."
(Zitate a. d. Prolog von "Supertramp").